Weniger bunte Ereignisse und Sorgen

“Nach drei Monaten kommen die Sorgen”… Den Satz habe ich bis jetzt so oft gehoert, dass sie irgendwann kommen mussten. 
Von einem Mentor, der dauerhaft auf Reisen ist, bis zu Schuelern, die absolut kein Interesse am Englisch lernen haben, ueber Menschen, gegen die man sich mit Aesten waehren muss, weil man die Frage gestellt hat, ob man ein Sandwich kaufen kann… 
Als Salome und ich auf dem Weg zu unserem Einsatzplatz waren, haben wir immer nur mehr als verwundert geschaut, wenn uns mal wieder gesagt wurde, dass wir jederzeit abbrechen koennten und, dass das ganz normal sei. Mit einem gigantischen Berg an Motivation entgegneten wir dann immer , dass wir uns bewusst fuer die Isla del Sol entschieden haetten und wir absolut nicht im Gedanken haetten unser “Projekt” abzubrechen. 

So. Nun… drei Monate spaeter und saemtliche Unterrichtstechniken spaeter suchen wir immer noch etwas verzweifelt unser Projekt. Salome ging in den Unterricht um Stempel fuer Anwesenheit und korrekte Kleidung zu verteilen und hat es mittleweile geschafft unterrichten zu duerfen, wenn die Lehrerin mal wieder fehlt. Unterrichten verlaeuft dann jedoch ehr so, dass alle schnell aus dem Raum rennen, sobald sie damit beschaeftigt ist den Stoff an die Tafel zu schreiben. Ich hangel mich waehrenddessen von einer Unterrichtsvariante zur naechsten. Und suche einen Weg um die Kinder fuer Englisch zu motivieren.

Die Menschen vor Ort, die wir bisher kennenlernen duerften, heißen andere Menschen alles andere als willkommen und zeigen mehr Gier als Dankbarkeit, wenn man ihnen Hilfe und Zeit schenken moechte. “Hilfe muss auch angenommen werden”, hoerte ich heute von einer Freundin, der ich die Situation schilderte. Ist es nicht so? Fuer mich fuehlen sich meine Versuche zu Helfen ehr an, als wuerde ich den Menschen etwas aufdraengen, das sie nicht wollen. Hilfe aufzwaengen. Ist das der Sinn eines Freiwilligen Jahres? Menschen Hilfe aufzwaengen, und krampfhaft an dem Gedanken festhalten, dass sie nur noch nicht wissen, dass sie Hilfe benoetigen? Blind weiter kaempfen, ueber die Charakter der Menschen hinweg sehen, die Augen verschliessen vor der Realitaet, Luegen einstecken, anfangen blindlinks zu glauben und die eigene Naivitaet weiter ausbauen? 
Was ist der Sinn eines Volunteer Jahres?

Fuer mich war diese Frage immer klar. Ein Projekt vorranbringen. Menschen unterstuetzen, Menschen helfen und in Waehrung Laecheln bezahlt werden. 

Klar, dass man in seinem Freiwilligen Einsatz auch selbst profitiert. Ich hatte mich darauf gefreut, meine Spanisch Kenntnisse ausbauen zu koennen, mich mit mehr Leuten verstaendigen zu koennen und neue Freunde zu finden. Eine Neue Kultur kennen zu lenen mit all ihren Riten und Braeuchen. Neue Erfahrungen zu sammeln… 

Neue Erfahrungen… davon jede Menge. Jede Menge schoene Feste, die ich bisher mit euch geteilt habe. Aber auch viele Erfahrungen, die mich einen Teil meines Glaubens an die Menschheit haben verlieren lassen. Viele Luegen, viel Hinterhalt, viel Gier und Undankbarkeit. 

Die Preise der Touristen Boote werden anhand der Gesichter, der Reisenden ausgemacht. Je nach Gesicht werden dann 20, 40, 60 … oder mehr Bolivianos (pesos) verlangt. 

Weggebuehren sind ebenfalls abhaenging von deinem Gesicht. Polizei ist auf der Isla del Sol nicht vorhanden. So kann sich jeder Beliebige auf den Strand stellen und Geld verlangen. Unter diesen Beliebigen, gibt es auch offiziele Stellen, an denen Weggebuehren verlangt werden. Die Einnahmen sollen dann fuer das Dorf und die Schule benuzt werden oder in einigen Faellen auch an Familien, die das Geld dringen benoetigen. Der normale Preis fuer jeden Passierenden betraegt hierbei 10 Bolivianos in Challa und varriert etwas in den unterschiedlichen Doerfern. (10 in Challa Pampa, 5 in Yumani)

Dies sei auch die einzige Motivation, die die Kinder haetten, wurde uns bisher von Mentor und Lehrern erklaert. Die Motivation kaeme von den Eltern, die die Kinder anspornen die Sprache zu lernen, um spaeter mehr Geld verdienen zu koennen. Moechte ich das unterstuetzen? Diese Art von Tourismus? Diese fuer mich wirklich fremdartige Gast”freundschaft”? Hatte ich nicht andere Motive? Den Kindern Tueren zu oeffnen, um die Welt zu entdecken? Um neue Freundschaften zu knuepfen? Um ihnen mehr Moeglichkeiten zu bieten?

Und dieses Interesse, das von den Eltern angetrieben wird… Dieses Interesse zeigen vielleicht zwei Kinder vor Ort. Und JA! Ich moechte helfen und ich wuerde gerne fuer diese zwei Kinder kaempfen, aber nicht um diese Art von Charakter zu staerken. Nicht um zu vermitteln, dass Geld alles ist. Nicht um zu vermitteln, dass Luegen, Gier und Hinterhalt in Ordnung sind. Und wuerde ich nicht genau dieses Verhalten unterstuetzen?

Bei einer vergangenen Reise nach La Paz, reisten wir zusammen mit unseren Lehrern, deren Plan war in La Paz Fussball zu spielen (Fussball wird hier gross geschrieben) . Als wir dann mit dem Boot in einem Dorf ankamen, dass Salome und mir voellig unbekannt war, liefen wir zu einem Auto der Lehrer, in dem nach und nach Jeder verschwand. Salome wandte sich mit den Worten “ Die lassen uns hier gerade stehen” an mich… Ich war voellig ueberzeugt davon, dass ich sie genug kannte um zu wissen, dass sie das nicht tun werden… denn ich hatte mich mit jedem meiner Lehrer doch super verstanden… Ich war davon ueberzeugt, dass uns gleich jemand ueber die Plaene in Kenntniss setzt. So standen Salome und ich da und es kam auch eine Lehrerin auf uns zu. Aber voellig entgegen meiner Ueberzeugung sagte diese nur, dass gleich noch andere Lehrer kommen und sie jetzt fahren. 

So standen wir da. Als Gringos, die es generell auszunehmen gilt, in einem Dorf in dem wir noch nie waren und auch nicht wussten, wie weit es von irgendetwas entfernt war. Wir warteten… Und tatsaechlich kamen noch andere Lehrer. Mit einem erleichterten Laecheln im Gesicht und dem Glauben, dass das gerade nicht so gemeint war von der anderen Gruppe, begruessten wir unsere Lehrer und warteten gemeinsam mit ihnen auf einen klein Bus. Als dieser ankam, war unser Plan uns sofort hineinzuschmeissen. Fast alle im Bus, bis auf Salome, wurde der Bus fuer voll erklaert. Auf den Schoss setzen sei auch keine Option.. Und so sassen Salome und ich erneut da. Mir war entgueltig der Glauben aus dem Gesicht gefallen, da es keinen Lehrer gab, der auch nur versuchte uns zu helfen. So warteten wir auf ein Taxi. Dass in einem Dorf wie diesem quasi aussichtslos zu erwarten ist. Irgendendwann jedoch kam eins! Salome und ich schnappten alles was wir hatten und schmissen uns in den Kofferraum eines Taxis, dass Einheimische aus dem Dorf genommen hatten. “Autokamasutra”. So hatten Salome und ich es genannt, wenn wir mal wieder in einem der immer ueberfuellten Busse, Autos oder sonstwo sassen. Diesmal mit Gasskatusche und Gepaeck von allen. Unglaublich, dass es in dem Auto der Lehrer und in dem klein Bus nicht moeglich war noch eine Person mehr mitzunehemen, waehrenddessen ansonsten ehr das Motto gilt “ Einer geht noch”… (Wir schafften es so uebrigens auch irgendwann bis nach La Paz- JUBEL)

In La Paz kam es dann in der Nacht vor der Abreise dazu, dass wir einen Arzt fuer Salome rufen mussten. Dieser erklaerte es fuer unmoeglich, dass wir morgen reisten und verschrieb ihr eine Liste teurer Medikamente. So blieben wir einen weiteren Tag in La Paz.

Die vergangene Woche hat Salome, auf der Suche nach einem Poempel, da unser Waschbecken verstopft war, BUECHER gefunden! Schulmaterialien, Buecher fuer den Englischunterricht und zum Spanisch lernen. Das ganze hat sich angefuehlt wie Weihnachten und gleichzeitig wie ein Hinterhalt… Haben wir hierfuer nicht einen Mentor? Jemanden, der uns unterstuetzt und uns von vorhandenem Material haette in Kenntnis setzen muessen? Mit etwas Enttauschung versuchten wir dann Kontakt zu unserem Mentor aufzunehemen, der mal wieder auf Reisen war. Eine Antwort kam auch nach Tagen nicht… Mittlerweile hatten wir eine Woche kein Wasser und Strom und das Wasser kam langsam wieder. Unser Gastopa hatte keine Ahnung, wo sich unser Mentor (sein Sohn) befand… und da so einiges knapp wurde, verschwand auch so langsam sein Grinsen, wenn die Frage war, wann sein Sohn wieder kommt. 

Da die in La Paz verschriebenen Medikamente wenig Wirkung zeigten, beschlossen Salome und ich ein Krankenhaus in Copacabana zu suchen. Zu dem Zeitpunkt ging es mir auch rapide schlechter und Salome und ich fuehlten uns beim Laufen um die 70 Jahre aelter. So krochen wir mehr als zu laufen und beschlossen lieber ein Taxi zu nehmen. Im Krankenhaus empfing uns ein total lieber Arzt, der uns beide fuer komplett Dehydriert erklaerte und uns Infusionen verschrieb. So hingen wir da, unseren Mentor interessierte unseren Aufenthalt bei Aertzten immer noch nicht. 

Wieder wesentlich gestaerkter ging es zurueck auf die Isla del Sol. In der Schule schien unsere Abwesenheit ein Raetsel zu sein. Keiner wusste irgendetwas. Dies ist normalerweise auch Aufgabe des Mentors, die Schule in Kenntniss zu setzen bei Abwesenheit der Freiwilligen. Uns wurde so mitgeteilt, dass das in vergangenen Jahren auch nicht funktioniert haette. 

Als unser Mentor dann von seiner Reise zurueck kam, er den Strom repariert hatte, suchten wir umgehend das Gespraech mit ihm. Wir bekamen viel Wiederspruechliches zu hoeren und die Begruendung dafuer, dass wir nicht von vorhandenn Matrialien und Buechern in Kenntniss gesetzt wurden war, dass man die Materialien nicht in der Schule gebrauchen koenne und ehemalig Freiliige diese auch nicht genutzt hatten. Was fuer mich unvorstellbar war. Marker, Hefte, Englisch Buecher, Aymara Buecher, Spanisch Buecher, Buecher zum Lesen, Zeitschriften, Wolle… 

Um der Isla del Sol ehrlich gegenueber zu bleiben, moechte ich sagen, dass die Insel ein Paradies an Natur ist. Abends sieht man einen gigantischen Sternenhimmel und  Gewitterlichter am Hoizont, die einen an ein Feuerwerk erinnern. Der Blick auf den See und der Strand vor dem Zimmer ist atemberaubend schoen. 

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Jeder der vor hat die Isla del Sol zu breisen, dem rate ich starke Nerven mit zu bringen, sich vorher gut ueber Preise vor Ort zu informieren und eine gute Kamera mitzubringen. Fuer Informationen diesbezueglich stehe ich gerne zur verfuegung. 

So. Soviel zu einem kleinen Einblick, des vergangenen Monats. Nun gilt es weiter zu kaempfen, die Hoffnung nicht aufzugeben und viele alternativ Loesungen zu finden. 

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